»Der kleine Chor Hamburg« singt in syrisch-orthodoxer Kirche

Vor genau 100 Jahren ereignete sich im damaligen Osmanischen Reich gegen die Volksgruppen der assyrisch-armenischen-, aramäischen-, chaldäischen und pontusgriechischen orthodoxen Christen einer der großen Genozide des 20. Jahrhunderts. Bei dieser fürchterlichen Aktion sollen
Schätzungen zu Folge bis zu 1,5 Millionen Menschen ums Leben gekommen sein. Zum Gedenken an dieses Massaker finden momentan vielerorts Gedenkveranstaltungen, insbesondere in den betroffenen orthodoxen Kirchengemeinden statt. Im Hamburger Stadtteil NeugrabenNeuwiedenthal besteht seit vielen Jahren die syrisch-orthoxe Kirche St. Dimet.

Beim »Der Kleine Chor Hamburg«, ein Vocalensemble der Neuapostolischen Kirche, wurde angefragt, ob er als Chor die Gedenkfeierlichkeiten, verbunden mit einem anschließenden Chorkonzert musikalisch unterstützen würde. Nach vielen Vorbereitungen konnten die Veranstaltungen am Sonntag, 29. März 2015 in der Kirche St. Dimet beginnen. Im Beisein des syrisch-orthodoxen Erzbischofs Hanna Aydin, etlicher weiterer hochrangiger Würdenträger der Kirche, Vorstandsmitgliedern des ACK Hamburg, Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft und ca. 250 Zuhörerinnen und Zuhörer, gestaltete »Der Kleine Chor Hamburg« mit dem Mädchenchor St. Dimet zwei Veranstaltungen. Ungewohnte Klänge drangen in die Ohren der Zuhörer: Teilweise eintausend Jahre alte aramäische Gesänge (Aramäisch war die Sprache Jesu). Und für sie ungewohnte Klänge hörten die Mitglieder der syrisch-orthodoxen Kirche: Lieder aus dem Gesamtrepertoire der Neuapostolischen Kirche.

Im Laufe der Gedenkstunde und des Konzertes zeigte sich, wie tief auch nach 100 Jahren noch die Wunden bei den hier in Hamburg wohnenden betroffenen Menschen sind, zumal heute wieder Familien direkt unter den kriegerischen Handlungen im Nahen und Mittleren Osten leiden.

Mit seinem Repertoire wies der »Der kleine Chor Hamburg« zum einen auf diese schwierigen Zeiten hin, zum Anderen versuchte er Trost zu spenden und unternahm den schwierigen Versuch, trotz allem Leid Hoffnung aus dem Glauben zu ziehen und die Bitte Jesu zur Vergebung und Versöhnung aufzuzeigen. Zum Schluss sangen beide Chöre gemeinsam die Bearbeitung von »Dona nobis pacem – Verleih uns Frieden« in der Fassung als »Song of peace«.

Eine umfangreiche Ausstellung zu den Ereignissen vor 100 Jahren ergänzte diesen Gedenknachmittag. Anschließend hatten wir alle Gelegenheiten zum Gedankenaustausch bei einem leckeren veganen Essen im Rahmen der Passionszeit. 

RC