Plattdüütsch in de Kark

Die Vorfreude auf den Frühling und dieses besondere Ereignis konnte man spüren und sehen. Bereits an der Eingangstür der Kirche wurden die Ge- schwister und Gäste mit einem »Van Harten willkamen« begrüßt. Es wurden 101 Gottesdienstteilnehmer – darunter zwei Gäste – gezählt, viele von Ihnen kamen auch aus weit entfernten Gemeinden nach Rotenburg. Sogar aus Hu- sum und St. Peter Ording waren Geschwister eigens für dieses Gottesdienst- erleben angereist.

Den Gottesdienst leitete Hirte Werner Meyer aus Hamburg-Stellingen, Vor- steher der gleichnamigen Gemeinde. Er wuchs auf dem Doosthof bei Harse- feld in der Stader Geest auf. Dort wurde fast nur Plattdeutsch gesprochen. Begleitet wurde er von Priester Detlef Oehlers aus Drochtersen, der ebenfalls seit seiner Kindheit Platt spricht.

Für diesen Gottesdienst verwendete Hirte Meyer ein Textwort aus einem Gottesdienst des Stammapostels. In Matthäus 5, 10 heißt es: »Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.«

In einer plattdeutschen Bibelübersetzung lautet dieser Vers: »Selig sünd de Minschen, wenn de Lüd ehr nich in Ruh la tun ehr wat andot, wieldat se fromm sünd – ehr hüürt dat Himmelriech to!«

Die Worte »... verfolgt werden« wurden in der Predigt durch andere Begriffe ersetzt. Der Urtext dieser Bibelstelle lässt auch die Übersetzung mit »Bedräng- nisse hinnehmen«, »Nachteile erleiden« oder »um Jesu Willen verzichten« zu. Das kann beispielsweise bedeuten, auf Dinge, die nicht zum Guten dienen zu verzichten, gemäß den Worten des Paulus (1. Kor. 6,12): »Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient mir zum Guten«. Ferner bedeutet dies, um des lieben Friedens willen auf eigene Vorteile zu verzichten. Den Frieden muss man sich manchmal auch etwas kosten lassen. Verzicht auf Rache oder Vergeltung – auch in kleinsten Dingen – zählt dazu. Und nicht zuletzt der Verzicht auf Be- quemlichkeit in Glaubens- und Gemeindeangelegenheiten.

Nicht nur die Predigt, auch die liturgischen Elemente des Gottesdienstes, wie beispielsweise das gemeinsam gesprochene »Vaterunser«, die Feier des Heiligen Abendmahles und der Schlusssegen wurden ausschließlich in platt- deutscher Sprache zelebriert. Für die musikalische Umrahmung des Gottes- dienstes sorgte die Gemeinde selbst. Bekannte Lieder wie »Nu dankt Gott alltohop« (Nun danket alle Gott), »Dien Gott verlett di nich« (Dein Gott verlässt dich nicht), »Leevste Jesus wi kamt all« (Liebster Jesus wir sind hier), »Weet ik den Weg ok nich« (Weiß ich den Weg auch nicht) oder »Ik will di sign mit Hart un Mund« (Ich will dir singen mit Herz und Mund) wurden – von der Orgel begleitet – auf Plattdeutsch gesungen.

Nach dem Gottesdienst hatten Geschwister der Gemeinde Rotenburg ein umfangreiches Bufett vorbereitet. Bei Schnittchen, Wiener Würstchen, Kuchen, Torte, Kaffee, Tee und allerlei anderen Leckereien konnten die Gottesdienst-

besucher ausgiebig miteinander klönen oder sich für die – unter Umständen weite – Heimreise stärken. Und so blieb am Ende dieses besonderen Ereig- nisses allein die Frage übrig: Wann ist in Rotenburg der nächste Gottesdienst »op Platt« ?

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