Reisebericht Israel und Jordanien 2016

Am Anfang stand eine Idee. Dann ein liebes Gespräch. Nun folgten Überlegungen, erste Planungen, Kalkulationen, eine Ausschreibung im Gemeindebrief, erste Reaktionen der Geschwister und dann – Zweifel. Die politische Situation im Schmelztiegel des Nahen Ostens spitzte sich mal wieder (wie in den vergangenen 100 Jahren) zu. Können wir das überhaupt machen? Aber zum Glück gab und gibt es unsere Schwestern und Brüder in Israel, die immer wieder Mut zugesprochen haben und sich auf einen Besuch aus Deutschland sehr freuten.

Und dann wares am 28.04.2016 endlich soweit: Alle Planungen und Visaangelegenheiten waren erledigt und mitten in der Nacht begann für 35 Geschwister aus Norddeutschland, NRW, Hessen, Bayern und Österreich eine Reise von den Flughäfen Hamburg bzw. Frankfurt und München über Istanbul nachTel Aviv.

Schon der erste Eindruck auf dem Flughafen Ben Gurion war überwältigend. Nachdem wir auch unsere Teilnehmer aus Österreich und Hessen empfangen hatten, wurden wir freudig von unserer – wie sich im Laufe der Reise herausstellte – herausragenden Reiseleiterin Ronit Ma´oz begrüßt. Was dann die nächsten Tage folgte, war in einer Gruppe von Gleichgesinnten ein Traum in einem wunderbaren und abwechslungsreichen Land.

Alle Stationen und Highlightsmit all den Wundern und Erlebnissen, die wir erfahren durften, hier zu beschreiben, würde völlig den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Nur einige für uns ganz besondere Höhepunkte seien genannt: Spontanchor mit 22 Sängerinnen und Sängern. Singen durften wir im Amphitheater in Cäsarea, in der Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen am See Genezareth, in Jerash und den Totenhöhlen der Nabatäer von Petra in Jordanien, in der St. Anna Kirche am Teich Bethesda und der ev. Erlöserkirche in Jerusalem, außerdem in der Hochzeitskirche in Kanaa und der Kreuzfahrerkirchein Akko.

Für uns alle war der Besuch auf dem Berg Tabor und unser Gesang in der Krypta der Kirche der Verklärung von überragender Bedeutung. Der diensthabende Mönch war sehr beeindruckt, obwohl er mit Sicherheit schon ganz andere Chöre an diesem besonderen Ort gehört hatte.

Alles waren Momente mit mehr als »Gänsehautfeeling«. Unfassbar schöne Augenblicke der Besinnung und persönlichen Begegnung mit unserem Glauben. Hervorzuheben ist der Gottesdienst mit Bischof Jörg Vester und Ev. Emile Mansour, dem Vorsteher unserer Gemeinde in Nazareth. Auch hier durften wir so viele Glaubenserlebnisse erfahren. Wir waren für einen Abend »zu Hause« und haben uns gefreut, den gesamten Gottesdienst musikalisch gestalten zu dürfen. Höchst erstaunt waren wir selbst über unsere Fähigkeiten, Gemeindegesänge auf Arabisch zu singen.

Nicht zu vergessen ist aber auch unsere kleine morgendliche Feierstunde mit Bibellesung und Gesang am deutschen Himmelfahrtstag im paradiesisch anmutenden Kibbuz Almog in der Nähe von Jericho.

Viele Zuhörerinnen und Zuhörer waren von unserem Gesang beeindruckt und haben uns in die»halbe Welt«eingeladen.

Im Felsenlabyrinth der HolocaustGedenkstätte Yad Vashem konnten und durften wir ganz für uns ein paar Minuten für die vielen Opfer von Krieg, Verfolgung und Vertreibung beten und durch einen sehr emotionalen und intensiven Gesang innehalten.

Auf unserer Reiseroute haben wir viele historische Orte aus ganz alter, alter und neuerer Zeit gesehen. Sachkundig lieferte unsere jüdische R e i s e f ü h r e r i n Ronit unglaublich viele Hintergrundi n f o r m a t i o n e n und Hinweise zur jüdischen, römischen, christlichen und byzantinischen Geschichte. Durch den möglich gewordenen Besuch des Tempelberges in Jerusalem wurde unser Wissen auch über die muslimische Geschichte ergänzt. Das Bibelwissen (altes und neues Testament) von Ronit war beeindruckend. Immer wieder hat sie die Geschehnisse aus der Bibel mit den von uns besuchten Orten verbunden. Das war praktischer Religionsunterricht.

Weitere bewegende Reiseziele: Golanhöhen mit einer der Quellen des Jordans und dem Besuch der israelisch-syrischen Grenze, Bootsfahrt auf dem See Genezareth, Besuch der Hochzeitskirche in Kanaa, die Ausgrabungsstätten in Qumran, die Bergfestung Massada mit dem Palast von Herodes, Bethlehem mit der Geburtskirche, Ölberg und Altstadt von Jerusalem mit seinen vielen Kirchen und Gedenkstätten (u. a. Grabeskirche, Garten Gethsemane) und natürlich der Besuch der West- oder Klagemauer. Die Via Dolorosa mit den Kreuzigungsstationen entlang zu gehen und damit den letzten Weg Jesu vor seiner Kreuzigung zu erfühlen war ebenfalls einer der vielen beeindruckenden Höhepunkte.

Geschichtsunterricht gab es dann noch einmal im Israel-Museum mit dem Modell Jerusalems zur Zeit Jesu. Sehr spannend und interessant.

Bei allen kulturellen, theologischen und geschichtlichen Höhepunkten und ernsten Themen kam aber auch die Freude nicht zu kurz: Zum Bespiel beim Besuch der Wüstenoase En Gedi, dem Baden im Toten Meer, der Jeeptour durch die Wüste im Wadi Rum in Jordanien mit Kamelreiten in der Wüste, dem Erklimmen einiger Sanddünen, dem unvergesslichen Abend im Wüstencamp und der bereits erwähnten Bootsfahrt auf dem See Genezareth.

Manche Dinge waren natürlich auch bedrückend, wie z.B. die Übergangsfahrten von Israel ins Westjordanland durch die Grenzanlagen und Grenzmauern.

Auch haben wir nicht die Augen vor den Problemen und Auseinandersetzungen in der Region verschlossen. Manche Dinge sehen wir nach der 11-tägigen Reise jedoch viel differenzierter und nehmen manche tagesaktuellen Themen sensibler wahr.

Was bleibt? Unendliche Dankbarkeit gegenüber unserem himmlischen Vater. Wir haben den großen Wert unserer Glaubensgemeinschaft auf ganz besondere Weise erfahren und erleben dürfen, die bis heute anhält. Ein ganz anderes Verständnis für biblische Zusammenhänge begleitet uns in den Gottesdiensten.

Und: Wir sehen uns im November 2016 wieder und schwelgen in superschönen Erinnerungen. Ein Festwochenende erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Und dann? Nächstes Jahr in Jerusalem… (vom 21.04.2017 bis zum 01./02.05.2017). Nähere Infos gerne bei: René Clair!